Verhaltenstherapeutisches Training, unerwünschtes Normalverhalten

Es kommt bei unseren Hunden immer häufiger zu Verhaltensauffälligkeiten oder unerwünschtem Normalverhalten. Die Ursachen dafür sind sehr vielfältig.Oft wird vergessen – vor allem im Stadtgebiet – dass mittlerweile sehr viele Hunde hier leben und wie viele Reize tagtäglich auf diese einwirken.

  • Einige unserer geliebten Vierbeiner wurden aus dem Ausland importiert (gerettet) und sind mit dem Lärm und dem Treiben in der Stadt überfordert. 
  • Viele mussten lange in einem Tierheim auf einen geeigneten Platz warten und waren daher lange nicht mit dem Trubel in der Stadt konfrontiert.  
  • Vielen Menschen fehlt die zwischenmenschliche Beziehung und so mancher projiziert daher dieses Manko auf seinen Hund. Gefühle und Erwartungen, die der Hund nicht erfüllen kann. 
  • Viele unserer Hunde werden bewusst oder unbewusst vermenschlicht. Als Partner-, Kinderersatz oder Ersatz für fehlende soziale Kontakte zu unseren Mitmenschen. Der Hund kann diese Bedürfnisse nicht erfüllen und er wird, über kurz oder lang, Probleme aufzeigen. 
  • Eine weitere Ursache ist auch, dass für unseren Vierbeiner zu wenig Zeit bleibt. Unterforderung und Energiestau sind die Folge. 
  • Nicht zu selten wird ein Hund übernommen, dessen Vorgeschichte unbekannt ist. Welche negativen Erfahrungen hat dieser Hund schon gemacht? Wir wissen es nicht. 
  • Man kann die Liste unbegrenzt fortsetzen.

Das Training mit verhaltensauffälligen Hunden oder Hunden die ein unerwünschtes Normalverhalten aufweisen, muss immer individuell aufgebaut werden. Mit herkömmlichem Gehorsamstraining wird man hier nicht ans Ziel kommen. Gehorsam spielt immer eine Rolle, ist aber nicht der zentrale Punkt im verhaltentherapeutischen Training.Einen wichtigen Teil des Trainings nimmt die Erstbegutachtung ein, um einen individuell auf das Tier abgestimmten Trainingsplan erstellen zu können.

  • Unter welchen Lebensumständen lebt das Tier? 
  • Wie viele Personen leben im Haushalt? 
  • Wie verhalten sich die einzelnen Familienmitglieder dem Tier gegenüber? 
  • Wie viel Zeit wird am Tag mit dem Hund verbracht? 
  • Wie wird mit dem Tier umgegangen? 
  • Wie wird der Hund beschäftigt? 
  • Wie oft am Tag und in welchem Zeitraum wird das Tier bewegt? 
  • Wie reagieren die einzelnen Familienmitglieder auf das Problemverhalten? 
  • … und vieles mehr!

Es ist sehr wichtig, soviel als möglich an Hintergrundinformationen zu sammeln. Ein geeigneter, speziell auf den Hund abgestimmter, Trainingsplan ist unumgänglich. Ein falsch aufgebautes Training kann verheerende Folgen für den Hund haben und er wird mit noch mehr Problemen in seinem Verhalten reagieren.All diese, hier angeführten Punkte und Beispiele erfordern vom Verhaltenstrainer viel Wissen, eine hervorragende Ausbildung, langjährige Praxis und ein hohes Verantwortungsbewusstsein. Verhaltenstherapeutisches Training muss so stressfrei wie möglich „für das Tier” sein.Da oft der Hundehalter vieles ändern muss im Umgang mit seinem Hund, ist es auch sehr wichtig, dass ein gutes Vertrauensverhältnis zum Trainer besteht und immer ausreichend Zeit für Fragen ist.
Nur so ist ein niveauvolles und seriöses Arbeiten möglich, um den gewünschten Erfolg zu erzielen.