FÄHRTENKURS

Fährtensuche ist eine Spurensuche, wobei der Hund lernt, mit tiefer Nase (nahe am Boden) intensiv einer Menschenspur zu folgen.
Die Fährte ist eine schmale, fortlaufende Bodenverletzung, die durch eine drückende oder abrollende Bewegung des Fährtenlegers entsteht.
Entstehung der Teilgerüche, die für den Fährtenhund von Bedeutung sind:

BODENGERÜCHE 
Durch zertretene Pflanzen, Knollen und geknickte Gräser (vegetabile Duftstoffe) treten Pflanzensäfte aus, Bakterien beginnen die zerquetschten Pflanzenzellen zu zersetzen, beim Abbau des pflanzlichen Eiweißes (Fäulnisbildung), entsteht Ammoniak. Pflanzen sondern in ihren Wurzelspitzen Humussäuren ab. 
Durch eindrücken des Erdreiches (Fährtenleger) werden feuchte, tiefer liegende Erdschichten frei. 
Durch zusammenpressen der Mikroben (kleinste Tierlebewesen), die nur unter dem Mikroskop sichtbar sind, bis hin zu Käfer, Würmer, etc., die über und unter der Erde wohnen. 

MENSCHENGERÜCHE 
Durch den Materialgeruch der Fußbekleidung, z.B. Leder, - oder Gummigeruch. 
Durch den Individualgeruch an der Fußbekleidung und am Körper. 
Durch Hautschuppen. 
Bei diesem Geruchskomplex ist die Geruchsstärke des Pflanzengeruchs ungleich stärker als die des menschlichen Geruchs. Noch stärker wirkt sich dies bei längerer Liegezeit der Fährte aus.
Die stärkste Ausgasung der vegetabilen Duftstoffe erfolgt bei normalen Bedingungen nach ca. 20 min. Duftstoffe schwanken in ihrer Stabilität, verdampfen mehr oder weniger langsam. Deshalb halten sich Fährten bei Feuchtigkeit und Winterwetter länger als bei Föhn und Trockenheit im Sommer.

FÄHRTENEINFLÜSSE 
  • Bodenbeschaffenheit, wie Gras, Acker, Stoppelfeld, etc. 
  • Geländebeschaffenheit, ob eben, hügelig, oder Gräben, Straßen 
  • Verleitungen, durch Menschen, Tiere, oder Fahrzeuge 
  • Windverhältnisse, wie Gegen, - Rücken – oder Seitenwind 
  • Windgeschwindigkeit 
  • Lufttemperatur 
  • Luftfeuchtigkeit 
  • Luftdruck 
  • Bodentemperatur 
  • Bodenfeuchtigkeit 
  • Wetterlage, Sonne, Regen, Schneefall 
  • Fährtenleger, Gangart, Gewicht, Schuhbekleidung 
SCHWIERIGKEITSGRADE DER FÄHRTENBEDINGUNGEN

Leichte Bedingungen

Geschlossene Pflanzendecke, leichter Regen, sehr hohe Luftfeuchtigkeit 90%, Windstille, Gelände ohne Verleitungen, ebenes Gelände, kurze Fährtenliegezeit ca. 20-30min. 

Mittelschwere Bedingungen
Nicht geschlossene Pflanzendecke, Mischgelände (Acker, Wiesen, etc.), Schatten oder bedeckter Himmel, Luftfeuchtigkeit von 40-75%, etwas Wind, ältere Verleitungen, hügeliges oder frisch abgeweidetes Gelände, tief gepflügte Äcker, ca. 1 Std. Fährtenliegezeit.

Schwere Bedingungen
Sand- oder Steinboden ohne Pflanzenbewuchs, starke Sonneneinstrahlung oder starker Regen, Luftfeuchtigkeit von ca. 40% und weniger, starker Wind, frische Mensch- oder Tierverleitungen, steiles Gelände, überschwemmtes Gebiet, ca. 3 Std. und mehr Fährtenliegezeit.

FÄHRTENABGANG
Ist der Beginn einer jeden Fährtenauslegung. Dieser ist die Schlüsselstelle für die ganze Sucharbeit und somit ausschlaggebend für den Erfolg. Wichtig ist, gerade für den jungen oder unerfahrenen Hund, einen guten Einstieg mit einer starken Summation an Geruchsreiz zu schaffen. Die Summation an Geruchsreiz ist das Summieren der einzelnen hintereinander folgenden Tritte, dabei wird der Fährtengeruch so stark, dass der Hund die Fährte gut ausarbeiten kann.
FÄHRTENSCHENKEL
Ist die Fortsetzung des Fährtenabganges. Eine Fährte besteht aus einem oder mehreren Fährtenschenkeln.

FÄHRTENWINKEL
Sind sogenannte Fährtenabrisse; der gerade verlaufende Fährtenschenkel endet mit einer Richtungsänderung. Der Verlauf der Fährte wird dadurch nach links oder rechts geführt. Es gibt rechte (90 Grad), spitze (weniger als 90 Grad) und stumpfe (mehr als 90 Grad) Winkel. Bei Beginn der Fährtenwinkelausbildung soll der Winkel als großer Bogen mit kleinen Schritten ausgelegt werden. Die Fährtenwinkel sind so auszulegen, dass die Winkel nicht überwiegend nach rechts gelegt werden. Der Hund wird bei vielfacher Wiederholung die Suche zuerst nach rechts einleiten. Diese unerwünschte geistige Verknüpfung darf nicht entstehen, darum sollten die Winkel abwechselnd nach links und nach rechts ausgelegt werden.

FÄHRTENGEGENSTÄNDE
Sind Gegenstände, die vom Fährtenleger während des Gehens auf der Fährte abgelegt werden. Der Hund soll durch Verweilen am Gegenstand, mit Sitz, Platz, oder Steh, dem Hundehalter anzeigen, dass er einen Gegenstand gefunden hat. Die Materialien der Fährtengegenstände sollten vielfältig sein: z.B. Leder, Holz, Kunststoff, Glas, etc. Auch die Größe sollte unterschiedlich sein. Im Prinzip kann man alles verwenden, was einem in die Hände fällt und man nicht mehr braucht. Vom Schuhband bis zur Sonnenbrille oder Kugelschreiber.